Dienstag, 14. Oktober 2008

Gion

Gestern abend hatten wir noch ausreichend Energie und stürzten uns ins Nachtleben von Kyoto. Im Gion-Viertel gibt es genügend Gelegenheiten. Wir wählten eine kleine Bar von der aus man die vorbeilaufenden Japaner beobachten konnte und auch die einheimischen Bargäste. Es darf hier übrigens überall in den Kneipen geraucht werden. In Japan sind Raucher auch keine vollwertigen Mitbürger mehr, von der Strasse werden sie verwiesen, sie müssen in den Restaurants rauchen, gern auch beim Essen.Nach wenigen Minuten japanischer Atmosphäre kamen 6 (sechs) norwegische, natürlich blonde Kunststudentinnen aus Oslo hereingeflattert und lenkten alle Aufmerksamkeit auf sich. Wir haben uns gut mit ihnen unterhalten können. Ihnen gefiel, dass man ungegrenzt Alkohol trinken kann, dabei rauchen durfte und dass hier die Zigaretten nur ein Viertel kosten wie in Norwegen.Dann erschien eine Japanerin in der Bar mit einem deutschen Spruch auf dem Rücken ihres T-Shirts. Als wir sie ansprachen, drehte sie sich um und hatte vorn einen norwegischen Spruch. Seltsamer Zufall ....

Ryoan-ji-Tempel


Das ist der berühmte Zen-Garten des Ryoan-ji-Tempels. Die Japaner sitzen meist andächtig davor oder fotografieren. Leider wurde die Ruhe von lautem Gequassel der Amerikaner gestört oder sie nahmen die raren Plätze zum Lesen der aktuellen Börsenberichte in Beschlag.

Orientierung

Manchmal sind wir schon etwas verunsichert und wissen nicht welchen Bus wir nehmen müssen oder suchen einen Bahnhof, Tempel oder sonstige Ziele. Auf der Strasse Japaner zu fragen ist nicht immer hilfreich. Da sie nicht "Nein" sagen können bzw. entschuldigend ihre Unkenntnis äußern wollen, dafür aber sehr hilfsbereit sind, führten sie uns schon mehrfach in die Irre. Behaupten, dass abends um 11 Uhr kein Bus mehr fährt und wir lieber ein Taxi nehmen sollen. In dem Moment fahren aber genau die Busse an uns vorbei, die wir hätten nehmen müssen.
Stadtpläne, die an der Straße stehen, sind selten eingenordet, sondern "orientiert". Der Orient, also der Osten ist oben, eigentlich liegt ja hier der Orient im Westen. Es ist manchmal sehr verwirrend und ich bereite mich jetzt doch etwas mehr anhand von Stadtplänen, Reiseführern, Internet und anderen zuverlässigen Quellen vor.

Im Moostempel

Einer der Höhepunkte unserer Reise war der Moostempel. Man kommt nur mit einem Permit rein, für welches man sich lange vorher anmelden mußte. Das ist wohl ziemlich schwer zu bekommen. Letzendlich war der Einlass nicht so streng. Schließlich ist ist eine Spende von 3000 Yen pro Person zu zahlen. Wenn ca. 100 Leute für eine Zeremonie eingelassen werden, ist das ein einträgliches Geschäft für das Kloster.

Wir nahmen an einer Zeremonie im Tempel teil. Dazu bekam jeder einen Platz an einem Minitischchen, hinter den man sich kniete. In der Haltung haben wir mit Pinseln das Herz-Sutra geschrieben, die japanischen Schriftzeichen waren ganz blass vorgedruckt. Zwischendurch rezitierten wir es gemeinsam. Nach spätestens 20 Minuten schliefen uns die Füße ein, da wir die Haltung nunmal nicht gewöhnt sind. Die Japaner vor uns hielten gut durch. Ist das vielleicht die Erklärung, warum viele Japanerinnen so krumme Beine haben und über den großen Onkel laufen? Abwechselnd im Schneidersitz oder Beine seitlich gelegt, habe ich nach ca. 30 Minuten die Schriftzeichen nachgezeichnet. Dann wurde noch die Adresse drauf geschrieben und ein Wunsch, den jeder frei hatte. Damit ging man zum Altar, legte das Blatt ab, faltete die Hände, verneigte sich und warf noch einmal ein paar Münzen in einen großen Kasten. Die Blätter werden später verbrannt. Bin gespannt, welcher Gott auch immer meinen Wunsch erfüllen wird. Ich hoffe, er hat sich die Adresse vor der Verbrennung gut eingeprägt.
Danach durften wir in den Moosgarten. Ursprünglich war der Garten wohl mit Pflanzen angelegt. Das Kloster wurde dann aber verlassen. Nach vielen Jahren kamen wieder Mönche, der Garten war aber total vermoost, das wurde dann kultiviert, nur die Wege werden freigehalten, der See und die Teehäuser natürlich auch. Kann sein, dass die Steine auch ab und zu geputzt werden. Man sieht, dass Moos nicht gleich Moos ist, in dem Garten wachsen sehr viele Arten. Bei schönstem Licht und mit beginnender Laubfärbung sah alles ganz wunderbar aus. Bilder können das sicher schlecht wiedergeben.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Goldener Tempel

Das Schloss Neuschwanstein von Japan ist offensichtlich der Goldene Tempel in Kyoto. Auch wir nahmen uns 45 Minuten Zeit für ihn.
Wenn man sich durch 10 Reihen fotografierenden Japaner vorgearbeitet hat, kann man auch einen Blick auf den goldenen Tempel und sein Spiegelbild werfen.Danach schiebt man sich durch einen Garten und am Ende durch eine enge Ladenstraße, wo die verschiedensten Mochisorten zum Verkosten angeboten werden. Bisher kannte ich nur die Mochi aus weißem Reismehl mit roter Bohnenpaste. Dort gab es aber auch grüne Mochi aus Reismehl mit grünem Tee und schwarze mit schwarzem Sesam als Bällchen einzeln oder mehrere am Spieß oder als Teigtaschen mit den verschiedensten Füllungen. Die etwas glibberige Konsistenz ist nicht jedermanns Sache, ich finde sie alle lecker.

Samstag, 11. Oktober 2008

Anreise

Bin inzwischen im Palace Hotel in Kyoto angekommen. Die erste Etappe der Anreise war die komplizierteste. In Karlsruhe war das Stellwerk ausgefallen, es fuhr kein Zug, Totenstille auf dem Bahnhof. Die Decke der Zivilisation ist hauchdünn (Zitat Rainald Grebe). Alle die dringend zum Flughafen mußten, bildeten Fahrgemeinschaften im Taxi. So gingen gleich mal 60 Euro aus meiner Reisekasse für meinen Anteil an den Fahrtkosten drauf. Den Taxifahrer hat es gefreut. Ich hoffe die Bahn, zahlt anstandslos zurück... Wenn nicht, habe ich wenigstens zwei neue Freunde gewonnen. Von einem Tai-Chi-Lehrer und einer Frau aus Bremen kenne ich jetzt die halbe Lebensgeschichte und weiß, dass das Leben über 50 auch noch sehr viel bieten kann.Der Rest der Reise verlief problemlos. Einiges hat sich in Japan in den letzten zwei Jahren geändert. Jetzt muss man sich bei der Einreise auch fotografieren lassen und den Fingerabdruck abgeben.Uns ist es am ersten Tag gelungen als Gruppe von 20 Leuten zusammen zu bleiben, haben schon zweimal Fahrkarten gekauft, sind in die richtigen Zügen eingestiegen. Wir sind japantauglich.Hier sind 25 grad Lufttemperatur. Die junge Japanerin trägt bei dem Wetter meist lange Strümpfe und Stiefel, sehr kurze Hosen oder Röcke und dazu eine warme Strickmütze in Übergröße meistens mit einer Bommel oder auch Fellmützen oder einen Kimono.Die Kinder hier sind noch genauso süß.
Das Springen über Geländer und Brüstungen ist inzwischen auch verboten.
Fast jeder hat ein webfähiges Internet, aber für den Touristen ist es noch nicht selbstverständlich einen WLAN-Anschluß im Hotel zu bekommen. Die Bars werden oft durch Getränkeautomaten ersetzt und und und ......

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Kakemono

In traditionellen japanischen Häusern gibt es ein tokonoma eine Bildnische in denen ein ikebana steht oder/und ein kakemono ein hochformatiges Rollbild hängt. Weil das Wort so gut klingt, habe ich mein elektronisches Rollbild bzw. den Blog so genannt.